4gewinnt Improtheater Braunschweig

Das chinesische Märchen von Mailing in Chengde und Elfriede Müllers: Die Bergarbeiterin

Am Dienstagabend im KULT erlebten die Zuschauer in der Showreihe Götter, Helden und Dämonen zwei epische Hälften. In der ersten Geschichte wurde die Geschichte der chinesischen Prinzessin Mailing im Jahre 800 nach Christus in der nordostchinesischen Provinz Chengde erzählt. Mailing ist auserkoren den nächsten Kaiser von China zu gebären. Doch dazu müsste sie schwanger werden. Ein weiser Mann an einem Schrein sagt ihr die Empfängnis für den 8. August vorher – in 4 Tagen. Eigentlich will ihr Vater sie noch nicht verheiraten, da sie die traditionelle Küche der Region noch nicht beherrscht. Doch durch die Tradition gefesselt, die viel auf Weissagungen gibt, lässt er die Prinzen der Provinz Chengde zu einem Wettkampf um die Gunst der Tochter rufen. In ihrem Mandelblütengarten sitzend, wartet Sie unschuldig und unwissend auf ihre Freier. Da erreicht sie eine wichtige Nachricht von Hobsing. Als Kind haben sie oft in Peking in der verbotenen Stadt miteinander gespielt. Er verspricht, dass er rechtzeitig da sein wird, um mit ihr die Hochzeit zu vollziehen. Sie entbrennt in Liebe und sie überredet ihren Vater, dass er der Hochzeit mit Hobsing zustimmt. Als der Tag der Hochzeit gekommen ist, reitet er endlich durch das Tor des Palastes von Chengde – Mailing ist vor Freude außer sich. Doch ihr Vater besteht auf der Tradition des Wettstreits. Die vier Freier werden durch den weisen Mann vor ihre Aufgabe gestellt: Möglichst viele Hunde in kurzer Zeit zu essen und nicht umzufallen – wer als letzter noch steht, möge die Prinzessin zur Frau bekommen. Der Tag vergeht, die drei Prinzen aus Chengde essen Hund – nur Hobsing weigert sich einen Hund anzurühren, weil es gegen die chinesische Tradition ist Hunde, die für Treue und Freundschaft zum Menschen stehen, zu essen. Als der vorhergesagte Zeitpunkt der Empfängnis immer näher rückt, fallen die Prinzen nach und nach vollgefressen um. So können Hobsing und Mailing die Weissagung vollziehen. Neun Monate später steht Mailing, in ihrem Bauch wächst der neue Kaiser heran, mit Hobsing im Mandelblütengarten und beschließt, dass Chinesen niemals Hunde essen dürfen. In diesem Moment regnen über ganz China und Peking Mandelblütenblätter herab und segnen die Beziehung zwischen Mensch und Hund für alle Zeiten.

Nach der Pause wurde von den Zuschauern aus dem Reclam Schauspielführer das Stück „Die Bergarbeiterin“ von Elfriede Müller per Zufall ausgewählt. In diesem Stück erzählt 4gewinnt aus dem Leben von Nickl Meyer und seiner Frau Adele, die mit ihrem Sohn Heinrich seit 60 Jahren am Steinberg wohnen. Diesen hat Nickl seit dem Jahr 1920 urbar gemacht und in seiner Welt ein Paradies auf Erden für seine Familie geschaffen. Er sieht sich als Mann, der etwas schafft und auf den sich die Welt zu richten hat. Seine Frau hingegen hat sich in ihrer Rolle als Opfer eingerichtet. Alles hat sie geopfert, damit ihr Mann Tag für Tag arbeiten konnte. Zudem hat sie die Arbeit ihres Mannes in der Nacht weitergeführt und im Berg nach Gold geschürft, um die Familie durchzubringen. Der Mann als Macher, die Frau als verzichtendes Opfer im Dienst des Mannes. Das Stück thematisiert die festgefahrenen Rollenklischees zwischen Mann und Frau und hinterfragt auf konfrontierende Weise die Gültigkeit derartiger Normen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Heinrich konfrontiert seine Mutter mit der Situation und ist wütend, dass sich alles nach den Männern und ihren Bedürfnissen richtet: Die Männer stehen der Familie vor und ernten allen Ruhm der eigentlich doch den Frauen gehört. Doch sie will es nicht hören, hat sich 60 Jahre eingerichtet in ihrer Rolle in der Ehe mit Nickl. Allerdings kommt es am Tag der Diamantenen Hochzeit von Nickl und Adele zu einem Folgenschweren Zwischenfall „im Paradies am Steinberg“. Von einer Schlange verführt isst Heinrich stellvertretend von allen Charakteren von einem Apfelbaum…so wird die Diamantene Hochzeit nicht vollzogen, sondern „Die Bergarbeiterin“ trennt sich von ihrem Mann Nickl, kauft mit dem durch ihre Arbeit verdienten Geld den Berg und vertreibt Nickl, stellvertretend für alle Männer, aus dem „Paradies“.