Die Kleider des Maharadscha und William Shakespeare: Wie es euch gefällt

Am Dienstagabend im KULT erlebten die Zuschauer in der Showreihe Götter, Helden und Dämonen zwei epische Hälften.

In der ersten Geschichte wurde die Geschichte des Maharadscha von Bandungh im kolonialen Indonesien von 1922 erzählt. Der Maharadscha lebt in einem Palast am Meer und trinkt jeden Morgen mit Hoon einen Kaffee am Strand. Hoon ist ein normaler Mensch und der Maharadscha bewundert sein einfaches Leben ohne jede hohe Politik in die er persönlich Tag für Tag verstrickt ist. Denn Bandungh ist im Moment Ziel einer Intrige der Kolonialmacht Niederlande. Diese bereiten die Tötung des Herrschers durch vergiftetes belgisches Bier vor und schleust einen Diener in den Palast ein. In 2 Tagen wird auch ein niederländisches Dampfschiff erwartet mit einem holländischen Ersatzprinzen, der das entstehende Machtvakuum füllen soll sobald der Maharadscha getötet ist und noch kein männlicher Nachfahre gezeugt ist. Hier drängt die Zeit, denn dem Prinzen wurde vorausgesagt, dass der  Maharadscha kurz vor der Zeugung eines männlichen Nachfahrens steht. Im Palast nährt sich derweilen im Schlafzimmer der politikmüde Maharadscha seiner Frau, um seine Pflicht der Zeugung für sein Vaterland zu vollstrecken. Der Diener hat aber bereits ein vergiftetes belgisches Bier bereitgestellt. Doch es kommt anders. Der Maharadscha verschämt das Bier, tut die Pflicht der Zeugung und flüchtet dann unter Tränen aus dem Palast. Er will dieses Leben nicht mehr führen und entlädt seine Enttäuschung über sein Leben in der Politik voll Pflichten und Druck in einem Lied. Wild entschlossen läuft er zu Hoon und schlägt diesem vor die Kleidung für nur einen Tag zu tauschen. Hoon solle einen Tag der Maharadscha von Bandugh sein und er für nur diesen einen Tag ein normaler Mensch. So sitzt der Maharadscha mit einem einfachen normalen Kaffee am Strand während die Intrige der Niederländer zuschlägt: Hoon greift im Palast zum Bier und stirbt auf der Stelle. Doch Hoons Bruder, der für die Niederländer als Dolmetscher arbeitet, hat diese ebenfalls verraten. Anstatt die Waffen für die Niederländer bereit zu halten, gibt er sie Agung, dem geliebter einer der fünf Töchter des Maharadscha. So dreht sich die hohe Politik in einem neuen Zyklus weiter: mit Agung wird ein neuer Herrscher gekrönt, eine Kolonialmacht wird in die Flucht geschlagen. Mit dieses immer wiederkehrenden Zyklus aus Macht, Intrige und Gewalt hat der eigentliche Maharadscha von Bandungh nichts mehr zu tun. Er sitzt am Strand mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Er ist ausgestiegen in seine eigene kleine normale neue und heile Welt. Jene Sehnsucht der Menschen.

Nach der Pause wurde von den Zuschauern aus dem Reclam Schauspielführer das Stück „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare per Zufall ausgewählt. In diesem Lustspiel erzählt 4gewinnt in ihrer Interpretation von Shakespeares Stoff die Ankunft der Exilanten Herzog Friedrich und seinem Bruder Jacques im Ardenner Wald. Sie sind vor Mord und Totschlag in ihrer Heimat geflohen und suchen nun Frieden und Heimat in der Fremde. Doch die Bewohner des Ardenner Waldes sind gierig. Besonders Oliver der einen Groll gegen alles Fremde hat und den Wald für sich allein besitzen will. Ihm folgt sein Bruder Orlando, der im Kern ein mitfühlendes Herz besetzt, dem steinernen und hassenden Herzen seines Bruders aber zunächst nichts entgegensetzen kann. Ganz wie von Shakespeare gewohnt treten Fabelwesen in die Szenerie und pflanzen den Menschen Gefühle ein: 2 Hexen beispielsweise steigern Olivers Hass ins mordlüsternde. Er macht sich auf Exilanten zu morden. Währenddessen schlafen Friedrich und Jacques erschöpft an einem Stein im Wald ein. Oliver und Orlando nähern sich mit ihren Schwertern. Da springt der Narr Propstein hervor und beginnt die beiden Exilanten zu beklauen, er nimmt ihnen ihre Waffen, Wertsachen und auch die Kleidung, so dass sie nur der nackte Menschen überbleibt. Als Oliver die Exilanten entdeckt, beginnt er seinen Mordplan zu verfolgen: Der Ardenner Wald soll nur den Ardennern gehören. Doch eine grüne, zierliche Fee landet auf dem Stein an dem die Exilanten schlafen und singt das Lied des Friedens. Auf diese Weise verändert erkennt Oliver im Streit mit den erwachten Exilanten und seinem Bruder, dessen Worte über Menschenliebe und Mitgefühl ihn nun endlich erreichen können, dass er keine Exilanten vor sich hat, sondern Menschen – der Mensch ist Mensch und nicht mehr eine Kategorie. So endet das Stück in der Hilfe von Oliver und Orlando für die zwei beraubten Menschen, sie nehmen die beiden als Gäste bei sich auf.